Am 13. September 2026 finden die Kommunalwahlen statt. Ich kandidiere für die SPD im Wahlbereich II (Stadtmitte-Süd/Osternburg) auf dem Listenplatz 7 für den Rat der Stadt Oldenburg. Mit dieser kleinen Serie möchte ich auf einige der kommunalpolitischen Themen eingehen, die mir besonders am Herzen liegen. Im zweiten Teil der Serie erläutere ich, wie Oldenburg von einem neuen Fußballstadion profitieren kann.
Eine Debatte mit Schieflage
Zunächst ein Bekenntnis: Ich bin kein Fußballfan, und schaue höchstens zu WM-Zeiten Fußball im Fernsehen. Warum ich das schreibe? Weil es in der Debatte um das neue Fußballstadion in Oldenburg eine Schieflage gibt: Einige der hartnäckigsten Gegnerinnen und Gegner des Stadions lassen bei ihren Debattenbeiträgen klar durchscheinen, sie würden sich schlicht nicht für Fußball interessieren und sähen es deshalb nicht ein, mit ihren Steuergeldern ein Fußballstadion mitzufinanzieren. Ich halte dieses Argument für falsch und sogar gefährlich, denn es läuft auf eine Entsolidarisierung in der Gesellschaft hinaus. Wäre das persönliche Interesse der Maßstab in der Politik, dann dürften sich Bürger und auch Ratsmitglieder nur noch für Dinge einsetzen, von denen sie selbst unmittelbar profitieren. Viele Einrichtungen, die jeweils nur von einer Minderheit der Oldenburger genutzt werden – wie das Theater, die einzelnen Museen oder Sportplätze – dürften dann keine Förderung mehr erhalten.
Ich hingegen halte es für unabdingbar, sich auch für Dinge einzusetzen, die für die Stadt insgesamt richtig sind, auch wenn ich selbst als Person wenig davon habe. Denn das macht eine solidarische Stadtgesellschaft aus: Dass wir alle von unseren Steuergeldern auch diejenigen Dinge bezahlen, die „nur“ unsere Mitmenschen nutzen. Im Folgenden möchte ich zunächst die wichtigsten Gegenargumente gegen das Stadion aufgreifen und entkräften, bevor ich erläutere, warum das neue Stadion eine gute Sache ist.
Die Gegenargumente
Die Kosten
Das häufigste Gegenargument sind die Kosten. Diese belaufen sich nach dem aktuellen Planungsstand auf 57,3 Millionen Euro. Das ist zwar viel Geld, aber diese Summe wird ja nicht aus dem laufenden Haushalt aufgebracht, sondern zum Großteil als Kredit aufgenommen. Ein kleinerer Teil (15 Millionen Euro) kommt aus der städtischen Rücklage. Zusammen werden Tilgungen, Zinsen und Defizit des Stadionbetriebs einen jährlichen Zuschuss von voraussichtlich 1,7 bis 2,7 Millionen Euro nötig machen. Sollte sich das teuerste Szenario ergeben, würde das Stadion bei einem Haushaltsvolumen von 880 Millionen Euro also rund 0,3 Prozent des städtischen Haushalts ausmachen. Verglichen etwa mit dem Zuschuss zum Staatstheater in Höhe von rund acht Millionen Euro ist das eine vergleichsweise kleine Summe. Vergleicht man nun auch noch die Subventionierung von Theaterkarten mit der von Fußballtickets, entsteht ein eindrückliches Bild:
| Theater | Stadion | |
| Jährlicher Zuschuss | 32 Millionen Euro (75 Prozent Land, 25 Prozent Stadt) | 2,7 Millionen Euro (Maximalszenario) |
| Jährliche Besucher | 200.000 | 68.000 (4. Liga) 97.000 (3. Liga) |
| Subvention pro Ticket | 160 Euro | 40 Euro (4. Liga) 28 Euro (3. Liga) |
Massive Kostensteigerungen, wie sie bei anderen Großprojekten aufgetreten sind, sind beim Stadion zudem unwahrscheinlicher, da hier ein Totalunternehmer beauftragt wird. Dieser trägt durch den zu vereinbarenden Festpreis den Großteil des Kosten- und Terminrisikos.
Das Klima
Ein weiteres Argument gegen den Neubau sind die beim Bau entstehenden „grauen Emissionen“ an Treibhausgasen. Dieses Gegenargument ist grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen, allerdings handelt es sich dabei um einmalige, nicht sich wiederholende Emissionen. Zudem wird der Anreiseweg für die Besucherinnen und Besucher am Standort Maastrichter Straße deutlich kürzer sein als der zum Marschweg. Auch dürften mehr von ihnen, insbesondere Auswärtsfans, künftig die Bahn nutzen, da sich der Hauptbahnhof in unmittelbarer Nähe befindet. Beides sollte CO2-Emissionen einsparen – ein positiver Effekt für das Klima.
Außerdem befürchte ich fatale Folgen für die soziale Akzeptanz von Klimaschutz, falls ein Herzensprojekt vieler Menschen mit dieser Begründung verworfen wird. Anders gesagt: Ein Fußballstadion, an dem sich vor allem „Normalbürger“ erfreuen sollen, aus Klimagründen abzulehnen, während zugleich Kreuzfahrtschiffe und Privatjets die Luft verpesten, ist nicht vermittelbar.

Das Marschwegstadion
Gelegentlich taucht die Frage auf, was eigentlich das Problem mit dem Marschwegstadion sei. Die Antwort ist, dass das Marschwegstadion schlicht nicht ideal für Fußballspiele ist. Es enthält eine Tartanbahn, die den Abstand zu den Tribünen vergrößert und wenig echte Stadionatmosphäre aufkommen lässt. Zudem liegt es mitten in einem Wohngebiet und die Baugenehmigung verbietet es, dort Spiele nach 18.30 Uhr anzupfeifen. Auch die Verkehrssituation, der schlechte Anschluss an den ÖPNV und der Mangel an Parkplätzen am Marschweg sind Gründe, die für einen neuen Standort sprechen.
Die eigentlichen Gründe für die Kritik
So sehr es den Stadionbefürwortern auch gelingt, die Argumente gegen das Stadion sachlich zu widerlegen, hält insbesondere die Bürgerinitiative „Keinstadionbau“ an ihnen fest. Dies legt den Verdacht nahe, dass viele ihrer Argumente nur vorgeschoben sind. Sicherlich sorgen sich manche der Kritiker ehrlich um die Finanzen, das Klima oder die Lärmbelastung. Doch die auf der Website und in manchen Social Media-Beiträgen der Bürgerinitiative gepflegte Sprache lässt erkennen, dass vielmehr eine Art Standesdünkel gegenüber der auch von der Arbeiter- und Mittelschicht geprägten Fußballszene der eigentliche Grund für die erbitterte Kritik ist.
Die Verächtlichmachung des Fußballs, des VfB Oldenburg und der Fankultur zeigt, dass man seinen fußballbegeisterten Mitmenschen die Freude am Sport offenbar nicht gönnt. Das finde ich sehr traurig, denn eine solidarische Gesellschaft setzt voraus, dass man auch Mitmenschen, die andere Interessen haben als man selbst, Raum zur Entfaltung lässt.
Was für das neue Stadion spricht
Oldenburg als Fußballstadt
Fußball ist in Deutschland die beliebteste Sportart, sowohl nach Vereinsmitgliedschaften als auch nach Zuschauerinteresse. In Oldenburg gibt es tausende aktive Spielerinnen und Spieler sowie Fans. Ein neues Stadion ohne Tartanbahn und in zentraler Lage kann den Fußballsport in Oldenburg beleben, neue Fans anlocken und die Attraktivität steigern. Dies nicht zuletzt dadurch, dass es neue, bessere Standards bei Barrierefreiheit, Toiletten und Gastronomie erfüllen würde. Zudem ist ein zeitgemäßes Stadion die Bedingung, um dauerhaft Profifußball in der 3. Bundesliga (und höher) zu spielen. Auch andere Kommunen ähnlicher Größe, etwa Osnabrück, haben solche Stadien.

Wirtschaftliche Faktoren
So viel ein Stadion rein betriebswirtschaftlich kosten mag, so volkswirtschaftlich wertvoll kann es sein. Erstens können im Stadion neben Fußballspielen auch andere Veranstaltungen stattfinden. Zweitens bringen die Fans der Gästemannschaften bei ihrem Besuch Kaufkraft in die Stadt, gehen essen, bummeln vielleicht noch durch die Innenstadt. Drittens kann ein modernes Stadion auch das Prestige der Stadt steigern.
Verkehr, Lärm, Sicherheit
Das neue Stadion wird an der Maastrichter Straße in unmittelbarer Nähe zu Hauptbahnhof und ZOB stehen. Damit verkürzen sich die Anfahrtswege sowohl für Autos als auch für die per Bahn Anreisenden drastisch. Auch der beim Spiel entstehende Lärm trifft viel weniger Anwohner, die zudem deutlich weiter entfernt leben. Zugleich entlasten wir mit dem neuen Stadion auch die Anwohnerinnen und Anwohner in der Innenstadt, im Dobbenviertel (vor allem an der Gartenstraße) und am Marschweg. Auch die Polizei ist vom neuen Standort überzeugt, weil sich dort Fangruppen leichter trennen und der Verkehr einfacher steuern lassen.
Fußball und Gesellschaft
Wir sind eine zunehmend pluralistische Gesellschaft. Es gibt heute nur noch wenige Gelegenheiten, bei denen Menschen aus ganz verschiedenen Milieus aufeinander treffen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Man muss gar nicht das bemühte Wort von der „gespaltenen Gesellschaft“ anführen, um das festzustellen. Ein neues Stadion könnte diese Fußballkultur weiter fördern, Menschen zusammenbringen und den Zusammenhalt in unserer Stadt stärken. Als Sozialdemokrat ist dies für mich ehrlich gesagt das wichtigste Argument für das neue Stadion.
Das Stadion als Chance
Das Thema Stadion wird in Oldenburg sehr emotional und leider oft unsachlich diskutiert. Dafür tragen insbesondere die Mitglieder der Bürgerinitiative die Verantwortung, die oft mit polemischen Unterstellungen und unfairen Vorwürfen argumentieren. Zwar ist das Stadion längst beschlossene Sache, die Debatte darüber wird aber wahrscheinlich auch dann noch anhalten, wenn es einst fertiggestellt ist. Umso wichtiger ist es, zu demokratisch gefassten Rastbeschlüssen zu stehen und diese umzusetzen. Auch ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Oldenburg ein solches Stadion bekommt – und damit eine große Chance für den Fußball, für die Stadtentwicklung und für die Gesellschaft.
Die weiteren Teile der Serie:
1. Teil: Für mehr günstigen Wohnraum
3. Teil: Für eine lebenswerte Innenstadt (folgt)
4. Teil: Für einen soliden und solidarischen Haushalt (folgt)
5. Teil: Für Klimaschutz und Klimaanpassung (folgt)


