Für eine lebenswerte Innenstadt

Am 13. September 2026 finden die Kommunalwahlen statt. Ich kandidiere für die SPD im Wahlbereich II (Stadtmitte-Süd/Osternburg) auf dem Listenplatz 7 für den Rat der Stadt Oldenburg. Mit dieser kleinen Serie möchte ich auf einige der kommunalpolitischen Themen eingehen, die mir besonders am Herzen liegen. Im dritten Teil der Serie zeige ich, wie sich die Oldenburger Innenstadt aus meiner Sicht weiterentwickeln sollte.

Unsere Innenstadt im Wandel

Die Oldenburger Innenstadt beinhaltet die älteste flächendeckende Fußgängerzone Deutschlands und gehört für viele Einheimische und Gäste zu den schönsten Innenstädten des Landes. Diese Attraktivität zeigt sich auch in Zahlen: Zwischen 2020 und 2025 stieg die Zahl der Passantinnen und Passanten an der Achternstraße um rund 36 Prozent und an der Langen Straße um rund 20 Prozent. Von Corona hat sich die Oldenburger Innenstadt also gut erholt. Auch die Umfragestudie „Vitale Innenstädte“ von 2024 hat gezeigt, dass die große Mehrheit der Befragten ihren Aufenthalt in der Oldenburger Innenstadt genießt. Alles gut also? Nein.

Die Probleme

In den vergangenen Jahren hat sich die Oldenburger Innenstadt deutlich verändert. Insbesondere geht die Zeit der großen „Konsumtempel“ und Kaufhäuser vorbei, wie die Probleme von Galeria Kaufhof, die Schließung von C&A und die wachsenden Leerstände zeigen. Standen im Jahr 2022 acht Prozent der Erdgeschossflächen leer, waren es 2025 bereits zehn Prozent. Der Hauptgrund dafür liegt in einer Entwicklung, die bundesweit und global zu beobachten ist, nämlich dem wachsenden Online-Handel, der Vor-Ort-Angebote teilweise verdrängt. Hinzu kommt ein verändertes Freizeit- und Konsumverhalten vieler Menschen. Serienabende auf der Couch oder das Training im Fitnessstudio werden von vielen Leuten dem Bummel in der Innenstadt oder dem Kneipenabend mit Freunden vorgezogen. Speziell für Oldenburg kommt hinzu, dass das Famila-Center in Wechloy mit seiner räumlichen Konzentration vielseitiger Angebote und den kostenfreien Parkplätzen eine attraktive Alternative zum Einkaufen darstellt.

Dazu kommen weitere Herausforderungen, etwa der Mangel an Wohnraum und die Folgen des Klimawandels. Fest steht: Die Oldenburger Innenstadt wird sich in Zukunft verändern müssen, um weiterhin attraktiv zu sein.

Lösungen

Vielfalt der Geschäfte bewahren

Zweifellos spielen die vielen kleinen, inhabergeführten Geschäfte, Cafés und Restaurants eine ganz entscheidende Rolle für die Attraktivität der Innenstadt. Die Oldenburger Stadtpolitik muss sie unterstützen, damit sie uns erhalten bleiben. Ein wichtiger Baustein dabei ist die kommunale Steuerpolitik: Die Oldenburger SPD spricht sich dagegen aus, die Grundsteuer B (die auch Geschäftsräume betrifft) oder die Gewerbesteuer zu erhöhen. Dies ist wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Oldenburger Wirtschaft und insbesondere auch die der Innenstadtgeschäfte zu erhalten. Zudem müssen wir weiterhin mithilfe von Förderprogrammen wie „Resiliente Innenstädte“ die Vielfalt des Angebots erhalten und die Qualität des Aufenthalts weiter stärken.

Wie hier in der Haarenstraße gibt es in der Oldenburger Innenstadt ein breites Angebot an Geschäften, Cafés und Restaurants. Dieses müssen wir erhalten. Foto: Henning Kulbarsch (CC BY-SA 4.0)

Leerstände kreativ nutzen

Die bestehenden Leerstände werden nicht von allein verschwinden, und es wird in vielen Fällen nicht möglich sein, aus jedem Leerstand (wieder) ein Geschäft zu machen. Daher müssen wir Leerstände für neue und kreative Nutzungen öffnen, zum Beispiel für Kultureinrichtungen oder die Universität, die sich schon seit Längerem wünscht, ihr Konzept eines „Campus Oldenburg“ mit mehr Standorten in der Innenstadt umzusetzen.

Ganz besonders wichtig ist mir, dass wir in der Innenstadt künftig auch wieder mehr Wohnraum schaffen. Das Motto könnte „Zurück in die Zukunft“ lauten, denn die Zentren der Städte waren historisch die längste Zeit von einer gemischten Nutzung geprägt, wobei Wohnungen eine große Rolle spielten. Ich halte es für sehr wichtig, dass wir in leerstehenden Gebäuden neuen Wohnraum für Familien, Studierende und Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen schaffen. Das städtische Wohnungsbauförderungsprogramm unterstützt schon heute auch den Umbau von von bisher nicht zu Wohnzwecken genutzten Gebäuden und Bestandsflächen, sofern mindestens eine neue preisgebundene Wohnung geschaffen wird – eine wichtige Säule des sozialen Wohnungsbaus, die wir deutlich ausbauen sollten.

Leerstand wie diesen sollte man nutzen, etwa als Wohnraum. Foto: Henning Kulbarsch (CC BY-SA 4.0)

Zudem bleibt es richtig, dass wir zumindest einen Teil des Geländes des ehemaligen Finanzamts an der 91er-Straße für Wohnraum nutzen. Mit solchen Maßnahmen schaffen wir nicht nur dringend benötigten, sozial durchmischten Wohnraum in einer nach wie vor wachsenden Stadt, sondern reduzieren auch den Druck auf den Mietmarkt.

Erreichbarkeit sicherstellen

Der Verkehr in Oldenburg und besonders in der Innenstadt ist bedingt durch unterschiedliche Interessenlagen ein Thema, das oft polarisiert. Manche Parteien heizen diese Polarisierung weiter an, um ihre jeweilige Kernklientel zu mobilisieren. Als Sozialdemokrat ist mir hingegen wichtig, dass wir ideologiefrei und bedarfsorientiert handeln und den vorhandenen Raum fair zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln aufteilen. Wer (wie ich) am liebsten zu Fuß unterwegs ist, hat genauso seinen Platz in Oldenburg wie diejenigen, die das Fahrrad, das Auto oder den Bus nutzen.

Klar ist: Damit auch Menschen von außerhalb die Innenstadt weiterhin gut erreichen können, brauchen wir kostengünstigen Parkraum, auch außerhalb der großen Parkhäuser. Die Innenstadt-Parkgebühren weiter zu erhöhen, sehe ich daher kritisch, da die Gefahr besteht, dass insbesondere Menschen mit kleineren Einkommen den Besuch der Innenstadt dann meiden. Dies wäre schlecht für die soziale Teilhabe und für die Geschäfte, die auf Kundinnen und Kunden aus der Stadt und dem Umland angewiesen sind. Zwar soll es künftig leichter werden, die Innenstadt über Park & Ride-Angebote zu erreichen, aber dieses Ziel verfolgt die Stadt schon lange und die Umsetzung erweist sich als schwierig. Deshalb muss es auch in Zukunft möglich bleiben, die Innenstadt mit dem Auto gut zu erreichen.

Der Oldenburger Wallring könnte zur Einbahnstraße werden, um eine durchgängige Busspur und mehr Platz für Fuß- und Radverkehr zu schaffen. Foto: Henning Kulbarsch (CC BY-SA 4.0)

Zugleich sollten wir offen sein für eine Einbahnstraßenregelung am Wallring inklusive durchgängiger Busspur im Sinne des Mobilitätsplans 2030. Dies bedeutete zunächst eine Umstellung, aber es dürfte kaum eine bessere Alternative geben, um insbesondere den ÖPNV sowie den Fuß- und Radverkehr zu fördern, ohne das Auto aus der Innenstadt zu verdrängen. Der Lohn wären eine deutliche Verkehrsentlastung und eine größere Aufenthaltsqualität.

Bäume pflanzen, Schwammstadt schaffen

Auch in Oldenburg werden sich in den kommenden Jahrzehnten die Folgen des Klimawandels zeigen. Wir müssen unsere Stadt und besonders unsere Innenstadt anpassen, um die Lebensqualität vor Ort zu bewahren. Die beste Lösung sind mehr Bäume: Sie spenden nicht nur Schatten, sondern speichern auch Wasser, das beim Verdunsten der Luft Temperatur entzieht und so die Umgebung abkühlt.

Nach Daten der Europäischen Umweltagentur liegt Oldenburg beim Baumbestand mit rund 25 Prozent der Stadtfläche nur im untersten Drittel der untersuchten deutschen Städte. Dieser Baumbestand lässt im Sommer eine Kühlung von circa 1,5 Grad erwarten. Möglich wären bei einem größeren Bestand bis zu drei Grad Abkühlung.

Doch wie bekommen wir mehr Bäume in die Innenstadt? Sicherlich gibt es einige Ecken, in denen man Flächen entsiegeln und weitere Bäume direkt im Boden anpflanzen könnte, so etwa auf dem Schlossplatz und dem Julius-Mosen-Platz. An vielen Stellen, insbesondere den Straßen in der Fußgängerzone, ist dies aufgrund von Erdkabeln, Leitungen und Rohren jedoch nicht möglich, da Baumwurzeln diese beschädigen könnten. Daher setze ich meine Hoffnung auf das Konzept der „mobilen Bäume“, wie sie beispielsweise Bochum, Remscheid und Baunatal eingesetzt haben. Diese Bäume in Kübeln kann man zügig anpflanzen, gedeihen lassen und falls nötig leicht ersetzen beziehungsweise an Baumschulen übergeben – eine wunderbare und praktische Ergänzung der Oldenburger Stadtgärten. Ein kleiner Anfang wurde schon gemacht, dies müssen wir aber ausbauen.

Am Rande des Schlossplatzes stehen bereits ein paar Bäume. Ich finde, es könnten noch deutlich mehr werden. Foto: Henning Kulbarsch (CC BY-SA 4.0)

Gerade in der Innenstadt kann es sich zudem lohnen, Dächer und Fassaden zu begrünen. Die bereits existierenden Förderprogramme müssen bekannter werden. Damit Oldenburg zur „Schwammstadt“ wird, die bei Starkregen nicht überflutet, braucht es zudem neue Regenwasserspeicher und -leitungen, so wie derzeit unter der Dobbenwiese eine entsprechende Anlage entsteht.

Für die Innenstadt von morgen

Für mich steht fest: Wir müssen in der Oldenburger Innenstadt das vielfältige Angebot aus Geschäften erhalten, Leerstände kreativ nutzen, Wohnraum schaffen, die Erreichbarkeit gewährleisten und für mehr Stadtgrün sorgen. Gelingt uns dies, kann unsere Innenstadt auch in Zukunft zu den attraktivsten des Landes gehören.

Die weiteren Teile der Serie:

1. Teil: Für mehr günstigen Wohnraum

2. Teil: Für das neue Stadion

4. Teil: Für eine saubere Stadt und gegen wilde Müllkippen

5. Teil: Für einen soliden und solidarischen Haushalt (folgt)

6. Teil: Für Klimaschutz und Klimaanpassung (folgt)

Für das neue Stadion

Am 13. September 2026 finden die Kommunalwahlen statt. Ich kandidiere für die SPD im Wahlbereich II (Stadtmitte-Süd/Osternburg) auf dem Listenplatz 7 für den Rat der Stadt Oldenburg. Mit dieser kleinen Serie möchte ich auf einige der kommunalpolitischen Themen eingehen, die mir besonders am Herzen liegen. Im zweiten Teil der Serie erläutere ich, wie Oldenburg von einem neuen Fußballstadion profitieren kann.

Eine Debatte mit Schieflage

Zunächst ein Bekenntnis: Ich bin kein Fußballfan, und schaue höchstens zu WM-Zeiten Fußball im Fernsehen. Warum ich das schreibe? Weil es in der Debatte um das neue Fußballstadion in Oldenburg eine Schieflage gibt: Einige der hartnäckigsten Gegnerinnen und Gegner des Stadions lassen bei ihren Debattenbeiträgen klar durchscheinen, sie würden sich schlicht nicht für Fußball interessieren und sähen es deshalb nicht ein, mit ihren Steuergeldern ein Fußballstadion mitzufinanzieren. Ich halte dieses Argument für falsch und sogar gefährlich, denn es läuft auf eine Entsolidarisierung in der Gesellschaft hinaus. Wäre das persönliche Interesse der Maßstab in der Politik, dann dürften sich Bürger und auch Ratsmitglieder nur noch für Dinge einsetzen, von denen sie selbst unmittelbar profitieren. Viele Einrichtungen, die jeweils nur von einer Minderheit der Oldenburger genutzt werden – wie das Theater, die einzelnen Museen oder Sportplätze – dürften dann keine Förderung mehr erhalten.

Ich hingegen halte es für unabdingbar, sich auch für Dinge einzusetzen, die für die Stadt insgesamt richtig sind, auch wenn ich selbst als Person wenig davon habe. Denn das macht eine solidarische Stadtgesellschaft aus: Dass wir alle von unseren Steuergeldern auch diejenigen Dinge bezahlen, die „nur“ unsere Mitmenschen nutzen. Im Folgenden möchte ich zunächst die wichtigsten Gegenargumente gegen das Stadion aufgreifen und entkräften, bevor ich erläutere, warum das neue Stadion eine gute Sache ist.

Die Gegenargumente

Die Kosten

Das häufigste Gegenargument sind die Kosten. Diese belaufen sich nach dem aktuellen Planungsstand auf 57,3 Millionen Euro. Das ist zwar viel Geld, aber diese Summe wird ja nicht aus dem laufenden Haushalt aufgebracht, sondern zum Großteil als Kredit aufgenommen. Ein kleinerer Teil (15 Millionen Euro) kommt aus der städtischen Rücklage. Zusammen werden Tilgungen, Zinsen und Defizit des Stadionbetriebs einen jährlichen Zuschuss von voraussichtlich 1,7 bis 2,7 Millionen Euro nötig machen. Sollte sich das teuerste Szenario ergeben, würde das Stadion bei einem Haushaltsvolumen von 880 Millionen Euro also rund 0,3 Prozent des städtischen Haushalts ausmachen. Verglichen etwa mit dem Zuschuss zum Staatstheater in Höhe von rund acht Millionen Euro ist das eine vergleichsweise kleine Summe. Vergleicht man nun auch noch die Subventionierung von Theaterkarten mit der von Fußballtickets, entsteht ein eindrückliches Bild:

 TheaterStadion
Jährlicher Zuschuss32 Millionen Euro
(75 Prozent Land,
25 Prozent Stadt)
2,7 Millionen Euro
(Maximalszenario)
Jährliche Besucher200.00068.000
(4. Liga)
97.000
(3. Liga)
Subvention pro Ticket160 Euro40 Euro (4. Liga)
28 Euro (3. Liga)
Quellen: Haushalt der Stadt Oldenburg 2026 (Teilergebnishaushalt 06), Haushalt des Landes Niedersachsen 2026 (Einzelplan 06), Besucherzahl VfB: Transfermarkt.de, Besucherzahl Theater: ndr.de. Für die Besucherzahl des Stadions habe ich die historischen Besucherzahlen bei Fußballspielen herangezogen.

Massive Kostensteigerungen, wie sie bei anderen Großprojekten aufgetreten sind, sind beim Stadion zudem unwahrscheinlicher, da hier ein Totalunternehmer beauftragt wird. Dieser trägt durch den zu vereinbarenden Festpreis den Großteil des Kosten- und Terminrisikos.

Das Klima

Ein weiteres Argument gegen den Neubau sind die beim Bau entstehenden „grauen Emissionen“ an Treibhausgasen. Dieses Gegenargument ist grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen, allerdings handelt es sich dabei um einmalige, nicht sich wiederholende Emissionen. Zudem wird der Anreiseweg für die Besucherinnen und Besucher am Standort Maastrichter Straße deutlich kürzer sein als der zum Marschweg. Auch dürften mehr von ihnen, insbesondere Auswärtsfans, künftig die Bahn nutzen, da sich der Hauptbahnhof in unmittelbarer Nähe befindet. Beides sollte CO2-Emissionen einsparen – ein positiver Effekt für das Klima.

Außerdem befürchte ich fatale Folgen für die soziale Akzeptanz von Klimaschutz, falls ein Herzensprojekt vieler Menschen mit dieser Begründung verworfen wird. Anders gesagt: Ein Fußballstadion, an dem sich vor allem „Normalbürger“ erfreuen sollen, aus Klimagründen abzulehnen, während zugleich Kreuzfahrtschiffe und Privatjets die Luft verpesten, ist nicht vermittelbar.

Wird modernen Anforderungen nicht mehr gerecht: Das Stadion am Marschweg. Foto: Henning Kulbarsch (CC BY-SA 4.0)

Das Marschwegstadion

Gelegentlich taucht die Frage auf, was eigentlich das Problem mit dem Marschwegstadion sei. Die Antwort ist, dass das Marschwegstadion schlicht nicht ideal für Fußballspiele ist. Es enthält eine Tartanbahn, die den Abstand zu den Tribünen vergrößert und wenig echte Stadionatmosphäre aufkommen lässt. Zudem liegt es mitten in einem Wohngebiet und die Baugenehmigung verbietet es, dort Spiele nach 18.30 Uhr anzupfeifen. Auch die Verkehrssituation, der schlechte Anschluss an den ÖPNV und der Mangel an Parkplätzen am Marschweg sind Gründe, die für einen neuen Standort sprechen.

Die eigentlichen Gründe für die Kritik

So sehr es den Stadionbefürwortern auch gelingt, die Argumente gegen das Stadion sachlich zu widerlegen, hält insbesondere die Bürgerinitiative „Keinstadionbau“ an ihnen fest. Dies legt den Verdacht nahe, dass viele ihrer Argumente nur vorgeschoben sind. Sicherlich sorgen sich manche der Kritiker ehrlich um die Finanzen, das Klima oder die Lärmbelastung. Doch die auf der Website und in manchen Social Media-Beiträgen der Bürgerinitiative gepflegte Sprache lässt erkennen, dass vielmehr eine Art Standesdünkel gegenüber der auch von der Arbeiter- und Mittelschicht geprägten Fußballszene der eigentliche Grund für die erbitterte Kritik ist.

Die Verächtlichmachung des Fußballs, des VfB Oldenburg und der Fankultur zeigt, dass man seinen fußballbegeisterten Mitmenschen die Freude am Sport offenbar nicht gönnt. Das finde ich sehr traurig, denn eine solidarische Gesellschaft setzt voraus, dass man auch Mitmenschen, die andere Interessen haben als man selbst, Raum zur Entfaltung lässt.

Was für das neue Stadion spricht

Oldenburg als Fußballstadt

Fußball ist in Deutschland die beliebteste Sportart, sowohl nach Vereinsmitgliedschaften als auch nach Zuschauerinteresse. In Oldenburg gibt es tausende aktive Spielerinnen und Spieler sowie Fans. Ein neues Stadion ohne Tartanbahn und in zentraler Lage kann den Fußballsport in Oldenburg beleben, neue Fans anlocken und die Attraktivität steigern. Dies nicht zuletzt dadurch, dass es neue, bessere Standards bei Barrierefreiheit, Toiletten und Gastronomie erfüllen würde. Zudem ist ein zeitgemäßes Stadion die Bedingung, um dauerhaft Profifußball in der 3. Bundesliga (und höher) zu spielen. Auch andere Kommunen ähnlicher Größe, etwa Osnabrück, haben solche Stadien.

Blick auf das Marschwegstadion aus Richtung Hausbäke. Foto: Henning Kulbarsch (CC BY-SA 4.0)

Wirtschaftliche Faktoren

So viel ein Stadion rein betriebswirtschaftlich kosten mag, so volkswirtschaftlich wertvoll kann es sein. Erstens können im Stadion neben Fußballspielen auch andere Veranstaltungen stattfinden. Zweitens bringen die Fans der Gästemannschaften bei ihrem Besuch Kaufkraft in die Stadt, gehen essen, bummeln vielleicht noch durch die Innenstadt. Drittens kann ein modernes Stadion auch das Prestige der Stadt steigern.

Verkehr, Lärm, Sicherheit

Das neue Stadion wird an der Maastrichter Straße in unmittelbarer Nähe zu Hauptbahnhof und ZOB stehen. Damit verkürzen sich die Anfahrtswege sowohl für Autos als auch für die per Bahn Anreisenden drastisch. Auch der beim Spiel entstehende Lärm trifft viel weniger Anwohner, die zudem deutlich weiter entfernt leben. Zugleich entlasten wir mit dem neuen Stadion auch die Anwohnerinnen und Anwohner in der Innenstadt, im Dobbenviertel (vor allem an der Gartenstraße) und am Marschweg. Auch die Polizei ist vom neuen Standort überzeugt, weil sich dort Fangruppen leichter trennen und der Verkehr einfacher steuern lassen.

Fußball und Gesellschaft

Wir sind eine zunehmend pluralistische Gesellschaft. Es gibt heute nur noch wenige Gelegenheiten, bei denen Menschen aus ganz verschiedenen Milieus aufeinander treffen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Man muss gar nicht das bemühte Wort von der „gespaltenen Gesellschaft“ anführen, um das festzustellen. Ein neues Stadion könnte diese Fußballkultur weiter fördern, Menschen zusammenbringen und den Zusammenhalt in unserer Stadt stärken. Als Sozialdemokrat ist dies für mich ehrlich gesagt das wichtigste Argument für das neue Stadion.

Das Stadion als Chance

Das Thema Stadion wird in Oldenburg sehr emotional und leider oft unsachlich diskutiert. Dafür tragen insbesondere die Mitglieder der Bürgerinitiative die Verantwortung, die oft mit polemischen Unterstellungen und unfairen Vorwürfen argumentieren. Zwar ist das Stadion längst beschlossene Sache, die Debatte darüber wird aber wahrscheinlich auch dann noch anhalten, wenn es einst fertiggestellt ist. Umso wichtiger ist es, zu demokratisch gefassten Rastbeschlüssen zu stehen und diese umzusetzen. Auch ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Oldenburg ein solches Stadion bekommt – und damit eine große Chance für den Fußball, für die Stadtentwicklung und für die Gesellschaft.

Die weiteren Teile der Serie:

1. Teil: Für mehr günstigen Wohnraum

3. Teil: Für eine lebenswerte Innenstadt

4. Teil: Für eine saubere Stadt und gegen wilde Müllkippen

5. Teil: Für einen soliden und solidarischen Haushalt (folgt)

6. Teil: Für Klimaschutz und Klimaanpassung (folgt)